Heizöl-Markt aktuell: Ölpreise trotz ernüchternder Wirtschaftsdaten stabil - Heizölpreise geben währungsbedingt weiter nach!

31.07.2020
Heizöl-Markt aktuell: Ölpreise trotz ernüchternder Wirtschaftsdaten stabil - Heizölpreise geben währungsbedingt weiter nach!
 
» 31.07.2020 « Die Ölpreise an den internationalen Warenterminmärkten haben gestern nur kurzzeitig auf schwache Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt in Deutschland und den USA reagiert, konnten sich bis Handelsschluss aber wieder weitgehend erholen. Da sich aber der Euro weiter auf Höhenflug befindet, werden die Heizöl-Notierungen mit weiteren Abschlägen in den heutigen Tag starten.

Aktuell stehen die September-Kontrakte der europäischen Nordsee-Ölsorte "Brent" bei 43,20 US-Dollar pro Barrel, ein Fass US-Öl "West Texas Intermediate" kostet zur Stunde gut 40 Dollar. Der Euro kann sich im Vergleich zum US-Dollar erneut deutlich zulegen und wird heute Morgen zu Kursen um 1,19 US-Dollar gehandelt.

Der Weg nach oben scheint für die internationalen Rohölpreise weiter versperrt zu sein. Doch auch nach unten hin zeigen sich die Öl-Futures erstaunlich resistent.
Zwar lieferten die US-Ölbestandsdaten von API und DOE in dieser Woche eher bullishe, also preistreibende Impulse, aber die Sorge um die weitere Ausbreitung der Corona-Pandemie hat die Händler weiter fest im Griff. Wie sich das Virus und die Folgen auf die Wirtschaftsentwicklung ausgewirkt haben, verdeutlichten die gestrigen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal. In Deutschland ist dieses im Vergleich zum Vorjahr um 11,7 Prozent zurückgegangen, in den USA sogar um knapp 33 Prozent. Dies wirkt sich hier auch extrem auf den Arbeitsmarkt aus. Die weitergeführten Anträge auf US-Arbeitslosenunterstützung stiegen im Vergleich zur Vorwoche um gut 800.000 an, die Erstanträge blieben weitgehend konstant. Besser sieht es hier dank Kurzarbeiterregelung in Deutschland aus. Hier ging die Zahl der Erwerbslosen per Juli um 18.000 zurück, während die Analysten mit einem Plus von 43.000 gerechnet hatten. Auch die Geschäfts- und Verbraucherstimmung in der EU konnte mit 82,3 statt 81 Punkten positiv überraschen.
Die Ölpreise gingen mit zeitweise stark fallenden Aktienkursen zunächst deutlich zurück, im Laufe des Abend konnten die Verluste aber wieder weitgehend ausgeglichen werden. Ein möglicher Grund hierfür könnte die Angst vor Tropensturm Isaias sein, der sich wohl bis morgen zu einem Hurrikan entwickeln wird. Heute morgen stützen zudem guten Konjunkturdaten aus China, wo der Einkaufsmanagerindex aus dem verarbeitenden Gewerbe per Juli mit 51,1 Punkten etwas besser ausfiel, als es die Prognosen erwarten ließen.

Am Devisenmarkt kennt der Euro kein Halten mehr und eilt von einem Langzeithoch zum nächsten. Die im Verhältnis zu den USA bessere Wirtschaftsentwicklung in der EU und auch die schlechten Coronazahlen drücken auf den Kurs des Greenback bzw. lassen Anleger in den Euro umschichten. Hinzu kommen die innenpolitischen Probleme in den USA, sowie das schlechte Verhältnis zu China und anderen wichtigen Handelspartnern.
 
Dank der Währungsgewinne werden die Heizölpreise hierzulande heute wieder mit Abschlägen in den letzten Handelstag der Woche starten. Aktuelle Berechnungen und erste Preistendenzen lassen aus morgendlicher Sicht ein Minus in einer Größenordnung von rund einem Cent pro Liter erwarten. Besser kann es also für die Besitzer einer Ölheizung kaum laufen. Bleibt zu hoffen, dass die Notierungen auch dann noch so attraktiv sind, wenn die Nachfrage wieder anspringt. Die Aussichten hierfür sind derzeit aber nicht schlecht. Allerdings könnten die Liefertermine in den letzten Monaten des Jahres schnell knapp werden, denn zum 1. Januar verteuern die CO2-Abgabe und die wieder höhere Mehrwertsteuer Heizöl um rund 10 Cent pro Liter! Wir empfehlen daher spätestens nach den Ferien rechtzeitig zu bestellen.

Erläuterung bzw. Klarstellung zum Klimapaket der Bundesregierung: Bestehende Ölheizungen dürfen uneingeschränkt weiter betrieben werden. Erst ab 2026 sollen neue Ölheizungen mit einer regenerativen Energiequelle kombiniert bzw. ergänzt werden, z. B. Solarthermie oder Photovoltaik für Brauchwasser bzw. Heizungsunterstützung. Sollte dies nicht möglich und auch kein Gas- oder Fernwärmeanschluss vorhanden sein, darf auch nach 2026 eine neue Ölheizung einbaut werden.
Unabhängig davon ist es absehbar, dass in den nächsten Jahren auch CO2-neutrales Heizöl (Stichwort E-Fuels) zu einem bezahlbaren Preis angeboten werden kann. Dieses kann problemlos in bestehenden Heizungen eingesetzt werden.